Pandemische Ausbrüche in Haiti
Haiti gehört zu den Ländern mit einem erhöhten Risiko für den Ausbruch von Infektionskrankheiten.
Warum sind Infektionskrankheiten in Haiti besonders relevant?
Welche Infektionskrankheiten gibt es in Haiti?
Diphterie
Diphtherie ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit, die durch engen Kontakt und Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen wird. Sie befällt vor allem die oberen Atemwege und kann zu schweren Atemproblemen bis hin zum Tod führen.
Die Sterblichkeitsrate selbst bei Behandlung liegt bei etwa 5–10 %. Ohne rechtzeitige medizinische Versorgung kann sie jedoch auf bis zu 40 % ansteigen (Diphtheria-Guinea). Kleine Kinder tragen ein erhöhtes Risiko. Die Behandlung erfolgt durch die Gabe eines Antitoxins sowie von Antibiotika. Durch Impfungen konnten Erkrankungs- und Todeszahlen weltweit deutlich reduziert werden.
Diphtherie gilt in Haiti weiterhin als endemisch (dauerhaft vorhanden). 2024 startete eine große Impfkampagne mit über 230.000 Kindern (With Canadian support, Haiti launches successful “catch-up” diphtheria vaccination campaign - PAHO/WHO | Pan American Health Organization). Die Krankheit ist zwar nicht unter Kontrolle, wird aber aktiv bekämpft.
Cholera
Cholera ist eine durch Bakterien verursachte Durchfallerkrankung. Die Übertragung findet über verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel statt. Die Krankheit führt schnell zu schwerer Dehydrierung.
Haiti erlebte nach dem Erdbeben 2010 einen massiven Ausbruch von Cholera mit Hunderttausenden Erkrankten. Laut der World Health Organization wurden seit 2010 über 820.000 Fälle und fast 10.000 Todesfälle registriert (Cholera- Haiti). Nach einer zwischenzeitlichen Eindämmung kam es 2022 erneut zu einem Ausbruch. Es gibt kaum eine Gemeinde, die nicht davon betroffen ist.
Besonders gefährdet sind Kinder: Nach Angaben von UNICEF haben mangelernährte Kinder ein deutlich erhöhtes Risiko, an Cholera zu sterben. Die schwierige humanitäre Lage und eingeschränkter Zugang zu sauberem Wasser begünstigen weiterhin die Ausbreitung der Krankheit.
Masern
Masern sind eine hochansteckende Virusinfektion, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Typische Symptome sind Fieber, Husten und Hautausschlag. Die Krankheit kann zu schweren Komplikationen wie Lungenentzündung oder Gehirnentzündung führen und ist besonders gefährlich für ungeimpfte Kinder.
Laut aktuellen WHO- und Weltbankdaten sind nur etwa 77 % der Kinder in Haiti gegen Masern geimpft (Stand 2024, WHO Immunization Data portal). Für einen sicheren Schutz der Bevölkerung wären jedoch mindestens 95 % notwendig. Dadurch bestehen erhebliche Impflücken, die das Risiko für Ausbrüche deutlich erhöhen. Gleichzeitig warnt die WHO, dass die Zahl der Masernfälle in der Region der Amerikas 2025 stark gestiegen ist und zeigt dadurch, wie schnell sich das Virus in unzureichend geschützten Bevölkerungen ausbreiten kann.
Polio
Polio ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem Kinder betrifft und meist über verunreinigtes Wasser übertragen wird. In seltenen Fällen kann sie zu dauerhaften Lähmungen führen, die tödlich enden können.
Haiti gilt derzeit als poliofrei, ist jedoch weiterhin gefährdet. Laut der Pan American Health Organization ist die Impfquote in Haiti in den letzten Jahren durch politische Instabilität und Gewalt zurückgegangen, was die Immunisierungslücken vergrößert hat. Dadurch steigt das Risiko, dass Polio oder andere impfpräventable Krankheiten wieder auftreten (PAHO sends critical medicines and health emergency supplies to Haiti amid ongoing humanitarian crisis - PAHO/WHO | Pan American Health Organization).